Rahmenkonzept Schulstufen 7-9

Wirklich ist, was wirkt! – Gedanken zur neuen Mittelstufe
Was brauchen diese Kinder auf dem Weg zum Jugendlichen überhaupt für Bauwerke? Brücken? Aussichtstürme? Fundamente? Luftschlösser? Burgen? Sofas?
Ein Bedürfnis dieser Altersstufe kristallisierte sich immer mehr heraus. Mit vereinten Kräften schafften wir es nun, diesem Faszinosum der jugendlichen Triebkraft einen Begriff abzuringen: „Das Streben nach Wirksamkeit“
Betrachten wir dieses Streben nuanciert doch einmal gemeinsam. Sehen Sie hier, im Hauptunterricht, wie die Materie die Kinder ergreift. Ob der Lehrer den Bogen schafft? Denn die Klasse will tätig werden, wirken, selbst wirksam sein! Oder da drüben, der Pausenhof - wie wirke ich denn auf die Anderen, meine Freunde, das andere Geschlecht, auf Erwachsene? Ein einziges Ringen nach der Wirkung. Oh, ein Konflikt – auf der Überholspur der Selbstverwirklichungsautobahn haben sich zwei Autonomieansprüche ineinander verkeilt, Gott sei Dank gibt es nur einen Blechschaden. Wo wir gerade bei Verwirklichung sind: Sehen Sie, in der Werkstatt hat gerade jemand seine geschnitzte Schale verwirkt, sie liegt in zwei Teilen da, Diskussionen sind hier überflüssig und um unser Bild abzurunden eine Lagerfeuerszene, griffige Gitarrenakkorde in rauchigem Pathos – schwer legt sich der Tau der Nacht auf den Tann und in einem glutbeschienenen Konterfei zeichnet sich gerade die Frage ab, ob denn die Wirklichkeit auch wirklich ist.
Doch wie wollen wir eine solche Mittelstufe im Streben nach Wirksamkeit gestalten?
Zunächst wollen wir, um im Bild zu bleiben, nach Newtons drittem Axiom konstatieren wir, dass jede Kraftwirkung einer gegengleichen Kraftwirkung bedarf, um überhaupt existieren zu können – actio est reactio. Dies bedeutet, dass der Mittelstufenlehrer ein breites Fundament an Lehrinhalten bereitstellen muss, damit sich die Kinder eben auch daran stoßen, im besten Falle weiterstoßen und weiterentwickeln können. Verknüpft mit der gleichzeitig geforderten Tiefe der Inhalte und der dritten Dimension, der Methodenvielfalt, ergibt sich so ein beachtlicher Raum, den das Mittelstufenkollegium füllen und auch gegen den Ansturm der jugendlichen Impulse nicht nur halten kann, sondern auch bewegen und entwickeln kann.
Diese Aufgabe wird nur ein eingespieltes Team von Spezialisten meistern. In deren Mittelpunkt steht immer noch ein Klassenlehrer. Dessen Anforderungsprofil ist aber nicht mehr deckungsgleich mit dem der vorangegangen 6 Schuljahre. Dies bewog uns zum entscheidenden Schritt, in naher Zukunft an dieser Stelle einen Übergang zu schaffen, an dem ein Mittelstufenklassenlehrer die Klasse übernimmt, der in einem Mittelstufenkollegium verwoben ist, um die Bedürfnisse der Klasse optimal abdecken zu können.
Einer qualitativ hochwertigen, lebendigen Unterstufe soll eine Mittelstufe folgen, die die Kinder von unten anzieht und ihnen weiteren Schwung verleiht, der die pubertäre Schwere ausbremst und Lust auf die Oberstufe macht. Die Autorität muss hier eine ganz eigene sein. Sie ist nicht mehr nur aus der persönlichen Integrität des Lehrers zu kreieren. nein, Der Unterricht selbst muss sie aus den Kindern selbst gebären. Mit dem zunehmenden Erstarken der Ratio kommt dem eigenen Urteil immer mehr Bedeutung zu. Und Dieses Urteil will gemessen werden, nicht an Zensuren, sondern an der Realität! Zu viele Ausrufezeichen
Damit die Qualität gewährleistet bleibt, wird die Präsenz des Klassenlehrers durch Fachstunden in der Klasse und einer Kolloquium Stunde pro Woche durchgehend sicherstellen. Durch diese Grundpräsenz kann aber der Hauptunterricht auch in einzelnen Epochen durch Kollegen der Oberstufe bildhaft und der Altersgruppe entsprechend gehalten werden. Belastbare Spezialisten für bohrende Fragen! So werden diese beiden Entwicklungsstufen weiter verwoben und der Übergang in die 9. Klasse wird deutlich entschärft. Der Einblick in die Oberstufe erfüllt die Kinder mit Neugier. Goetheanistische Naturwissenschaften können dadurch beispielsweise durchgehend aufgebaut werden.
Es sind vor allem die überwundenen Schwierigkeiten, die den Schülern Lernerlebnisse und Lernerfolge bescheren. Es ist das „Sich-Messen“ an einem Gegenstand, das Begeisterung und Motivation hervorruft.
Gerade der kurvige, steinige Weg ist es, der zu den Sternen führt.  
So wollen wir im Mittelstufenkollegium Wege eröffnen eine Tür öffnen, durch die Lehrer in der Lage sind, in eng verflochtener Zusammenarbeit einen solchen Weg zu begleiten können, und im Zweifelsfalle auch schnell zu erkennen, wo einzelnen Schülerinnen und Schüler der Schuh drückt, um den Kindern gezielt die Hilfsmittel zu geben, die sie brauchen,  um sich selbst zu helfen.
In einer Zeit, die es Menschen leicht macht, sich in Realitäten virtuellen Welten zu verlieren, wollen wir Räume schaffen, in denen die Kinder zu sich finden können. In denen sie ganz real steinigen Wegen gegenüberstehen. Kann man Wegen gegenüberstehen? Vielleicht „ In denen sie sich ganz real auf zum Teil steinigen Wegen wiederfinden?
Es ist fast schon eine Modeerscheinung, von Erlebnispädagogik zu sprechen und auch im Staatsschulbereich wird diese Komponente der Erziehung immer präsenter. Daher bemühten wir uns auch, einen für uns passenderen Begriff zu finden. Das Wachsen an den Elementen und der Natur ist seit ihrem Beginn ein essentieller Bestandteil der Waldorfpädagogik. Das, was wir in der Mittelstufe stärken wollen, soll mehr sein als eine Aneinanderreihung von adrenalinproduzierenden Instagram tauglichen Actionelementen, die unter dem Begriff der Erlebnispädagogik landläufig subsumiert werden.
In den vorgesehenen 2 Einzelwochen pro Schuljahr, die mit einer Wildniswoche und Wanderungen gefüllt werden sollen, steht eben nicht nur der kurze Kick im Mittelpunkt (obwohl er auch seinen berechtigten Platz hat), sondern auch das bewusste Verlassen der Gesellschaft in eine selbstbestimmte und selbstständige Einsamkeit, um gestärkt wiederzukehren.
Es soll primär eben nicht der Hochseilgarten, die Abseilstelle oder der Berg sein, an dem man wächst, sondern die Beschäftigung mit sich selbst. Systole und Diastole, Enge und Weite, bei sich sein und sich in der Weite der Landschaft verlieren, sollen als althergebrachte Mittel an der Kunst an der Persönlichkeitsbildung mitwirken. Langeweile im eigentlichen, müßigen Sinne soll sich abwechseln mit dem Mut, füreinander einzustehen, zuzupacken und entschlossen zu handeln.