Warum gibt es Monatsfeiern?
Seit der Begründung der ersten Waldorfschule 1919 gehören Monatsfeiern wie selbstverständlich zum Profil der Waldorfpädagogik.
Im württembergischen Schulgesetz gab es 1919 eine Regelung, nach der an jedem ersten Montag im Monat schulfrei war. Rudolf Steiner regte an, diesen Tag für eine Schulfeier zu nutzen. Bei ihrer Gestaltung legte er besonderen Wert auf die Berücksichtigung der jahreszeitlichen Stimmung. Die Schüler sollten sich gegenseitig das im Unterricht Erarbeitete zeigen. Die nun einmal im Monat stattfindende Zusammenkunft der Schulgemeinschaft wurde Monatsfeier genannt.
Die Monatsfeiern sind seltener geworden. Ihr ursprüngliches Anliegen, sich gegenseitig wahrzunehmen und Gelerntes lebendig vorzutragen, ist das Gleiche geblieben. Für die 18- bis 19-jährigen ist die Monatsfeier eher eine Rückschau, für die ganz Kleinen eine Vorschau. Für die Schüler der Mittelstufe ist sie beides zugleich.
Die Monatsfeier ist in gewissem Sinne das „Herz“ der ganzen Waldorfpädagogik; die Klassen zeigen einander, was sie im Unterricht erarbeitet haben, so dass für den Betrachter ein lebendiges Bild quer durch alle Altersstufen entsteht.
Als Eltern freut man sich in der Regel, die eigenen Kinder innerhalb ihrer Klasse zu erleben. Gleichzeitig können alle Interessierten aber auch einen Eindruck gewinnen von dem, was an der Schule lebt. Welche Schwerpunkte setzt die Schule, welche Klassen treten auf und welche Fächer sind vertreten?
Für Schüler und Lehrer bildet die interessierte Elternschaft eine nicht zu unterschätzende Hülle, in der sich das Schulleben gedeihlich entwickeln kann.
Zuletzt sei noch ein Aspekt erwähnt, der mit der ursprünglichen Intention der Monatsfeier wenig zu tun hat, aber unseren Zeiterfordernissen entspricht. Weil wir bei der Monatsfeier einen Einblick in fast alle Fächer und die pädagogische Arbeit gewähren, stellt sie für die Schule eine besondere Möglichkeit dar, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren.